Weber

We|ber1 〈m. 3; Textilw.〉 Handwerker, der Gewebe herstellt
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We|ber2 〈n.; -, -〉 Maßeinheit des magnet. Flusses; Sy Voltsekunde [nach dem dt. Physiker W. E. Weber, 1804-1891]

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We|ber [nach dem dt. Physiker W. E. Weber (1804–1891)], das; -, -; Einheitenzeichen: Wb: abgeleitete SI-Einheit für den magnetischen Fluss mit den Beziehungen 1 Wb = 1 J/A = 1 Vs (Voltsekunde) = 1 T m2 ( Tesla) = 1 H A ( Henry) = 1 m2kg/s2A u. 1 Wb = 108 M bzw. Mx ( Maxwell).

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We|ber, der; -s, - [mhd. webære, ahd. weberi]:
jmd. der webt, der eine Webmaschine bedient.

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I
Weber
 
[nach W. E. Weber] das, -/-, Einheitenzeichen Wb, die abgeleitete SI-Einheit des magnetischen Flusses: 1 Wb = 1 V · s. Das Weber ersetzte die nicht mehr anzuwendende Einheit Maxwell (1 M = 10-8 Wb).
 
II
Weber,
 
Axel A., Volkswirtschaftler, * Kusel 8. 3. 1957; Professor in Bonn (1994-98), Frankfurt am Main (1998-2001) und Köln (seit 2001); 1998-2002 Direktor des Center for Financial Studies (Frankfurt am Main), seit 2002 Mitglied des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung; Forschungen v. a. zur internationalen Makroökonomie sowie zur Geld- und Währungspolitik.
III
Weber,
 
1) Adolf, Volkswirtschaftler, * Mechernich 29. 12. 1876, ✝ München 5. 1. 1963; ab 1908 Professor in Köln, ab 1913 in Breslau, ab 1919 in Frankfurt am Main und 1921-47 in München; gilt als Vertreter der Neoklassik sowie als Kritiker des Sozialismus und der sozialistischen Planwirtschaften; beschäftigte sich auch mit monetären Problemen und Grundfragen der Sozialpolitik.
 
Werke: Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit (1910); Allgemeine Volkswirtschaftslehre (1928); Ende des Kapitalismus? (1929); Geld, Banken, Börsen (1939); Marktwirtschaft und Sowjetwirtschaft (1949); Sowjetwirtschaft und Weltwirtschaft (1959).
 
 2) Alfred, Volkswirtschaftler, Soziologe und Kulturphilosoph, * Erfurt 30. 7. 1868, ✝ Heidelberg 2. 5. 1958, Bruder von 13); war 1904-07 Professor in Prag, 1907-33 und erneut ab 1945 in Heidelberg. Weber begründete zunächst die industrielle Standortlehre, verfasste dann Arbeiten zu Wirtschaftstheorie, Sozialpolitik und Kultursoziologie und rückte damit auch in den Bereich der damals von O. Spengler und A. Toynbee dominierten Kultur- und Geschichtsphilosophie. Bei der Analyse der kulturgeschichtlichen Prozesse unterscheidet Weber zwischen den Sphären Gesellschaft, zu der neben der Sozialstruktur auch die politischen und sozialen Organisationsformen und Handlungsgebiete gehören, Zivilisation, zu der Weber Technik, Wissenschaft und deren wirtschaftlichen Anwendungen zählt, und Kultur, die in Webers Vorstellung die Teilgebiete Kunst, Philosophie, Mythen und Religion umfasst. Entwicklungen der Geschichte werden nun dadurch bestimmbar, dass sich die verschiedenen Teilbereiche in unterschiedlicher Weise und nach unterschiedlichen Gesichtspunkten entwickeln können; daneben können aktuelle Probleme und Konflikte auch dadurch erklärt werden, dass zwar das Feld der Zivilisation als Reich der Vernunft allen Menschen zugänglich ist, damit auch generalisierbar erscheint und so auf zwischengesellschaftlichen Ausgleich zielt, dass aber das Gebiet der Kultur auf jeweils eigenständige und damit unübertragbare Ausbildung von Individualitäten festgelegt ist. Für die Gegenwart diagnostiziert Weber eine Verselbstständigung der Zivilisation, was zu einer Auflösung überkommener Bindungen führe und den modernen Menschen heimatlos mache.
 
Werke: Reine Theorie des Standorts (1909); Religion und Kultur (1912); Die Krise des modernen Staatsgedankens in Europa (1925); Kulturgeschichte als Kultursoziologie (1935); Der dritte oder der vierte Mensch. Vom Sinn des geschichtlichen Daseins (1953).
 
Ausgabe: A.-Weber-Gesamtausgabe, herausgegeben von R. Bräu u. a., auf 10 Bände berechnet (1997 ff.).
 
 
R. Eckert: Kultur, Zivilisation u. Gesellschaft. Die Gesch.-Theorie A. W.s (1970);
 
Zw. Nationalökonomie u. Universalgesch. A. W.s Entwurf einer umfassenden Sozialwiss. in heutiger Sicht, hg. v. H. G. Nutzinger (1995).
 
 3) Andreas Paul, Zeichner, * Arnstadt 1. 11. 1893, ✝ Schretstaken (Kreis Herzogtum Lauenburg) 9. 11. 1980; schuf Buchillustrationen (zu Werken von H. Sachs, Goethe u. a.) und zeitkritische satirische Blätter (Zeichnungen und Lithographien), in denen er u. a. auch Stellung gegen den Nationalsozialismus bezog. Sie stehen mit ihren allegorisch-symbolischen Verschlüsselungen und einem überquellenden Formenreichtum dem fantastischen Realismus und dem Surrealismus nahe. - In Ratzeburg besteht (seit 1973) ein A.-P.-Weber-Museum.
 
Werke: Das Verhängnis (1931); Reichtum aus Tränen. Britische Bilder (1939-41); Leviathan (1942); Das Gerücht (1953); Der sterbende Hecht (1957).
 
Kritischer Kalender (jährlich 1959-81).
 
 
A. P. W. Das graph. Werk 1930-1978, hg. v. G. Reinhardt (1980);
 
Kunst u. Widerstand. Polit. Zeichnungen seit 1929, hg. v. W. Schartel (81981);
 
A. P. W. - fünfzig Jahre danach. Polit. Zeichnungen, 1929-1936, hg. v. G. Nicolin (1983);
 
A. P. W. Werkverz. der Griffelkunst, Holzschnitte u. Lithographien von 1939 bis 1981, hg. v. E. Arp (21984);
 H. Schumacher: A. P. W.Werkverz. der illustrierten Bücher (1984);
 H. Schumacher: A. P. W. Werkverz. der Exlibris (1987);
 H. Schumacher: A. P. W. Werkverz. der Gebrauchsgraphik (1990);
 K. J. Dorsch: A. P. W. Werkverz. der Lithographien (1991);
 
A. P. W. 1893-1980. Handzeichnungen u. Lithographien, bearb. v. K. J. Dorsch, Ausst.-Kat. (1993).
 
 4) Carl Maria Friedrich Ernst von, Komponist, * Eutin 18./19. 11. 1786, ✝ London 5. 6. 1826; Sohn eines Schauspiel- und Musikdirektors, verlebte eine unstete Kindheit und Jugend mit häufigen Ortswechseln (u. a. Salzburg, München, Augsburg, Wien) und wenig geregeltem Musikunterricht. Seine Lehrer waren u. a. M. Haydn in Salzburg und G. J. Vogler in Wien und Darmstadt. 1804 erhielt er die Kapellmeisterstelle am Stadttheater in Breslau, wo er erste Reformpläne entwarf und Mozart-Opern zur Aufführung brachte. 1806 wurde er Musikintendant am Hof der Herzöge von Württemberg in Carlsruhe O. S. 1807 kam er nach Stuttgart und war dort Geheimer Sekretär und Musiklehrer des Herzogs Ludwig (* 1756, ✝ 1817). Nach einem Korruptionsskandal, in den v. a. sein Vater verwickelt war, musste Weber 1810 Stuttgart verlassen. Er lebte in Mannheim (Freundschaft u. a. mit Gottfried Weber, * 1779, ✝ 1839, und F. Danzi), Darmstadt (erneute Studien bei Vogler), Heidelberg und Frankfurt am Main, begann mit schriftstellerischen Arbeiten, gründete mit Gleichgesinnten (u. a. G. Weber, G. Meyerbeer, später Danzi und H. G. Nägeli) den »Harmonischen Verein«, der die Mitglieder zu künstlerischem Rat, Austausch und Beistand verpflichtete, unternahm ab 1811 als Pianist Konzertreisen durch Süddeutschland und die Schweiz, nach Leipzig, Dresden, Prag und Berlin und wurde 1813 Operndirektor in Prag, wo er ein Ensemble aufbaute, den Spielplan mit anspruchsvollen Opernaufführungen (Werke u. a. von W. A. Mozart, L. van Beethoven, É. N. Méhul, L. Spohr, L. Cherubini) neu gestaltete und durch Einführungen und Besprechungen erzieherisch auf das Publikum zu wirken suchte. Ab 1817 war Weber Leiter der Deutschen Oper in Dresden, die zu einer wichtigen Stätte nationaler Musikpflege wurde. Als Komponist, Opernorganisator und Dirigent neuen Stils wurde er in Europa bekannt (Uraufführungen seiner Meisteropern in Berlin, Wien und London). Nach London reiste er 1826, bereits schwer lungenkrank, um seine Oper »Oberon« aufzuführen, und verstarb dort nach letzten künstlerischen Erfolgen.
 
Webers Bedeutung liegt v. a. auf dem Gebiet der Oper. Besonders für die Geschichte der deutschen Oper nach Mozart und Beethoven und vor R. Wagner war »Der Freischütz« (1821) das wichtigste Werk, das unmittelbar verständlich poetische Vorstellungen und operntheoretische Forderungen der literarischen Romantik in die Sprache des Theaters umsetzte, aber auch als Spiegelung und Ausdruck eines erstarkenden deutschen Nationalbewusstseins begeistert aufgenommen wurde. Das Textbuch von J. F. Kind hat Weber zu einer Fülle treffender musikalischer Gestaltungen angeregt. Volksnahe Melodien, Chöre der Bauern und Jäger, Naturbilder und Geisterszenen (dargestellt durch neuartige Orchesterfarben) schaffen wirkungsvolle Kontraste, die durch wiederkehrende Klangelemente und ein einheitliches Grundkolorit zusammengehalten werden. Daneben fanden die anderen Opern Webers trotz neuer Elemente weniger Anerkennung. Das gilt besonders für die musikalisch und musikdramatisch beziehungsreich durchgeformte Oper »Euryanthe« (1823), die wegen ihres schwachen Librettos (Helmina de Chézy) wenig erfolgreich war, aber als durchkomponiertes Werk ohne gesprochenen Text die Gattungsgeschichte über den »Freischütz« hinaus deutlich weiterentwickelte und durch ihre Erinnerungsmotivik und reich abgestufte Klangschattierungen auf Wagners Musikdrama vorausweist. Webers Lied- und Chorkompositionen enthalten ausdrucksvolle Beispiele romantischer Vokalmusik. Seine Instrumentalmusik wirkte durch rhythmische Vitalität, harmonischen Reichtum, lyrisches Timbre und konzertante Gestik stilbildend. Als Schriftsteller schrieb Weber scharfsinnige Kritiken, Operneinführungen, humorvolle Glossen und ein romantisierendes Romanfragment »Tonkünstlers Leben«.
 
 
Werke: Opern: Das stumme Waldmädchen (1800); Peter Schmoll (1803); Silvana (1810); Abu Hassan (1811); Der Freischütz (ursprünglich Die Jägersbraut, Text J. F. Kind nach dem »Gespensterbuch«, Band 1 von J. A. Apel und F. Laun, 1811; 1817-20, Uraufführung 1821); Die drei Pintos (1820; vollendet von G. Mahler, 1888); Euryanthe (1823); Oberon (1826).
 
Bühnenmusik: u. a. zu »Turandot« von F. Schiller (1809); zu » Preciosa« von P. A. Wolff (1821).
 
Orchesterwerke: 2 Sinfonien (beide 1807); Ouvertüre zu Turandot (1809); Jubel-Ouvertüre (1819); Konzertwerke mit Orchester für Flöte (1805), Horn (1806, revidiert 1815), Violoncello (1808), Viola (1809, umgearbeitet für Fagott 1813), Fagott (1811, revidiert 1822), Klarinette (Concertino 1811; 2 Konzerte, f-Moll, Es-Dur, beide 1811); 2 Klavierkonzerte (1810, 1812); Konzertstück f-Moll (1821, für Klavier).
 
Kammermusik: Klavierquartett (1809); Klarinettenquintett (1815); Klaviertrios, Sonatinen für Violine.
 
Klavierwerke: u. a. »Aufforderung zum Tanz« (1819); »Polacca brillante« (1819).
 
Vokalwerke: 3 Messen, 2 Offertorien, Kantaten, Gesänge aus T. Körners »Leyer und Schwerdt« (1814-16, darunter »Lützows wilde verwegene Jagd«, »Gebet vor der Schlacht« und »Schwertlied« für Singstimme und Klavier beziehungsweise für vierstimmigen Männerchor).
 
Ausgaben: Sämtliche Schriften, herausgegeben von G. Kaiser (1908); Musikalische Werke, herausgegeben von H. J. Moser, 2 Bände (1926-28); Kunstansichten. Ausgewählte Schriften, herausgegeben von K. Laux (21975); Briefe, herausgegeben von H. C. Worbs (1982).
 
 
M. M. von Weber: C. M. v. W., 3 Bde. (Leipzig 1864-68);
 H. J. Moser: C. M. v. W. Leben u. Werk (Leipzig 21955);
 F. W. Jähns: C. M. v. W. in seinen Werken. Chronologisch-themat. Verz. seiner sämtl. Compositionen. .. (Neuausg. 1967);
 
C. M. v. W. in seinen Schriften u. in zeitgenöss. Dokumenten, hg. v. M. Hürlimann (Zürich 1973);
 
C. M. v. W., hg. v. K. Laux u. a. (Leipzig 21978);
 H. Hoffmann: C. M. v. W. Leben u. Werk (1978);
 H. Hoffmann: C. M. v. W. Biogr. eines realist. Romantikers (1986);
 G. Zschacke: C. M. v. W. Romantiker im Aufbruch (1985);
 
W.s Oper der Freischütz, bearb. v. W. Macke-Brüggemann u. a. (1988);
 M. Leinert: C. M. v. W. (17.-19. Tsd. 1989);
 
W. - jenseits des »Freischütz«, hg. v. F. Krummacher u. a. (1989);
 J. Reiber: Bewahrung u. Bewährung, das Libretto zu C. M. v. W.s »Freischütz« im literar. Horizont seiner Zeit (1990);
 M. C. Tusa: Euryanthe and C. M. v. W.'s dramaturgy of German opera (Oxford 1991);
 W. M. Wagner: C. M. v. W. u. die dt. Nationaloper (1994).
 
 5) Ernst, Pädagoge, * Bad Königshofen i. Grabfeld 5. 7. 1873, ✝ München 3. 9. 1948; wirkte im Sinn der Kunsterziehungsbewegung und war v. a. in der Lehrerbildung tätig.
 
Werke: Ästhetik als pädagogische Grundwissenschaft (1907); Die Lehrerpersönlichkeit (1912); Kunsterziehung und Erziehungskunst (1914).
 
 
K. Renner: E. W. u. die reformpädagog. Diskussion in Bayern (1979).
 
 6) Ernst Heinrich, Anatom und Physiologe, * Wittenberg 24. 6. 1795, ✝ Leipzig 26. 1. 1878, Bruder von 17); Professor für Anatomie (ab 1818) und Physiologie (ab 1840) in Leipzig; gilt als »Vater der experimentellen Psychologie« und Mitbegründer der modernen Sinnesphysiologie. Seine Untersuchungen zum Tast- und Muskelsinn waren ein Ausgangspunkt für die quantitative Erfassung der Beziehung zwischen Reiz und Reaktion (webersches Gesetz) und ausschlaggebend für das Entstehen der Psychophysik. Bei diesen Untersuchungen wandte Weber die Methode des »eben wahrnehmbaren Unterschieds« zwischen zwei Reizen (Reizschwelle, Unterschiedsschwelle) an, so z. B. in seinen Experimenten zur taktilen Raumschwelle. Nach ihm wurden die Weber-Knöchelchen benannt. Bekannt wurden auch seine Untersuchungen über das Hören (weberscher Versuch).
 
Werk: Tastsinn und Gemeingefühl, in: Handwörterbuch der Physiologie, herausgegeben von R. Wagner, Band 3 (1846).
 
 7) Gerhard, Architekt, * Mylau 11. 6. 1909, ✝ Berg (Landkreis Starnberg) 17. 3. 1986; studierte am Bauhaus in Dessau bei W. Gropius und in Berlin bei L. Mies van der Rohe, wurde 1955 Professor an der TH München. Nach seinen Plänen wurden u. a. das Gebäude des Hessischen Rundfunks in Frankfurt am Main (1949-54), die Hamburger Staatsoper (1953-55) und das Nationaltheater in Mannheim (1955-57) sowie besonders Verwaltungshochhäuser erbaut.
 
 8) Heinrich, Mathematiker, * Heidelberg 5. 3. 1842, ✝ Straßburg 17. 5. 1913; ab 1870 Professor am Eidgenössischen Polytechnikum Zürich, anschließend in Königsberg, Berlin, Marburg, Göttingen und ab 1895 in Straßburg. Weber arbeitete auf dem Gebiet der mathematischen Physik u. a. über partielle Differenzialgleichungen und leistete bedeutende Beiträge zur Entwicklung der Algebra und der Zahlentheorie, v. a. zur Darstellungstheorie der Gruppen und zur Körpertheorie. Sein 1895/96 veröffentlichtes zweibändiges »Lehrbuch der Algebra« war ein Standardwerk.
 
 
A. Voss in: Jahresbericht der Dt. Mathematiker-Vereinigung, Bd. 23 (1914).
 
 9) Helene, Politikerin, * Elberfeld (heute zu Wuppertal) 17. 3. 1881, ✝ Bonn 25. 7. 1962; Lehrerin; führend in der katholischen Frauenbewegung, war 1918-33 in preußischen Ministerien (Sozialpolitik, Wohlfahrtspflege) tätig. Als Abgeordneter des Zentrums gehörte sie 1919-20 der Weimarer Nationalversammlung, 1921-24 dem preußischen Landtag an und war 1924-33 Mitglied des Reichstags. Ab 1945 Mitglied der CDU, war sie 1946 Mitglied des Landtags in Nordrhein-Westfalen, 1946-48 Mitglied des Zonenbeirats, 1948-49 des Parlamentarischen Rates und 1949-62 MdB. Nach Elly Heuss-Knapp leitete sie 1952-61 das Müttergenesungswerk.
 
 10) Hermann, Politikwissenschaftler, * Mannheim 23. 8. 1928; zunächst Journalist, dann freier Publizist, 1945-54 Mitglied der KPD, seit 1955 der SPD. Wurde 1975 Professor für politische Wissenschaft und Zeitgeschichte an der Universität Mannheim.
 
Werke: Die Wandlung des deutschen Kommunismus, 2 Bände (1969); Lenin (1970); Kleine Geschichte der DDR (1980); Hauptfeind Sozialdemokratie. Strategie und Taktik der KPD 1929-1933 (1982); Kommunismus in Deutschland 1918-1945 (1983); Geschichte der DDR (1985); Die DDR 1945-1986 (1988; 1993 2. erweiterte Auflage unter dem Titel Die DDR 1945-1990); »Weisse Flecken« in der Geschichte. Die KPD-Opfer der Stalinschen Säuberungen und ihre Rehabilitierung (1989); Das Prinzip Links (1991).
 
Herausgeber: Jahrbuch für historische Kommunismusforschung, Jahrgang 1 (1993 ff.); Terror. Stalinistische Parteisäuberungen 1936-1953 (1998, mit U. Mählert).
 
 11) Karl Julius, Schriftsteller, * Langenburg 16. 4. 1767, ✝ Kupferzell (Hohenlohekreis) 20. 7. 1832; war zunächst Hofrat, dann Privatgelehrter, 1820-24 Abgeordneter in der württembergischen Ständekammer; verfasste von der französischen Aufklärung beeinflusste, skeptisch-antiromantische Werke, die auf die Verhältnisse in Deutschland satirisch-kritisch Bezug nehmen. Weber war auch Feuilletonist.
 
Werke: Deutschland, oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen, 4 Bände (1826-28); Democritos. Oder, Hinterlassene Briefe eines lachenden Philosophen, 12 Bände (1832-40).
 
Ausgabe: Sämtliche Werke, 30 Bände (1834-44).
 
 12) Marianne, Frauenrechtlerin, Malerin und Publizistin, * Oerlinghausen 2. 8. 1870, ✝ Heidelberg 12. 3. 1954, Ȋ mit 13); ab 1897 in Heidelberg, ab 1898 in der deutschen Frauenbewegung aktiv (1919-23 Vorsitzender des Bundes Deutscher Frauenvereine) und 1919 Abgeordneter der Badischen Nationalversammlung, wo sie sich u. a. für die rechtliche Gleichstellung der Frau einsetzte. Weber trug durch die Herausgabe der nachgelassenen Schriften ihres Mannes und ihre 1926 veröffentlichte Biographie über ihn wesentlich zu dessen Anerkennung und dadurch auch zur Entwicklung der Soziologie in Deutschland bei. Ihr Haus entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem bedeutenden Gesellschaftszirkel, in dem Schriftsteller, Politiker, Philosophen u. a. Wissenschaftler verkehrten und der Heidelberg in der Zeit zwischen den Weltkriegen zu einem geistigen Zentrum Deutschlands machte.
 
Schriften: Fichtes Sozialismus und sein Verhältnis zur Marx'schen Doktrin (1900); Beruf und Ehe (1906); Ehefrau und Mutter in der Rechtsentwicklung (1907); Frauenfragen und Frauengedanken. Gesammelte Aufsätze (1919); Die Idee der Ehe und die Ehescheidung (1929); Die Frauen und die Liebe (1935); Erfülltes Leben (1946); Lebenserinnerungen (1948).
 
 13) Max, Soziologe, Volkswirtschaftler und Wirtschaftshistoriker, * Erfurt 21. 4. 1864, ✝ München 14. 6. 1920, Bruder von 2), Ȋ mit 12); studierte Rechtswissenschaften, Geschichte, Nationalökonomie und Philosophie in Heidelberg, Straßburg und Berlin. Bereits in seiner Dissertation »Zur Geschichte der Handelsgesellschaften im Mittelalter« (1889) und in seiner Habilitationsschrift »Die römische Agrargeschichte in ihrer Bedeutung für das Staats- und Privatrecht« (1891) untersuchte er den Wirkungszusammenhang von rechtlichen, wirtschaftlichen und sozialen Faktoren. Weber war Professor für Handelsrecht in Berlin (1893), für Nationalökonomie in Freiburg im Breisgau (1894-97) und in Heidelberg (1897-1903). Aus gesundheitlichen Gründen erfolgten ab 1898 häufige Unterbrechungen, 1903 die Einstellung der Lehrtätigkeit, die er erst 1918 in Wien (Professor für Soziologie) fortsetzte. Ab 1919 bis zu seinem Tod war Weber Professor in München. - Ab 1903 war er Herausgeber des »Archivs für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik«, daneben Mitarbeiter des Vereins für Socialpolitik und Mitbegründer der Deutschen Demokratischen Partei.
 
Webers soziologisches Werk entstand v. a. außerhalb des akademischen Lehrbetriebs (nach 1903) und ist neben sozialhistorischen und religionssoziologischen Arbeiten ein systematischer Versuch, die Soziologie als eine eigenständige wissenschaftliche Disziplin zu konstituieren, die soziales Handeln deutend verstehen und in seinem Ablauf und seinen Wirkungen ursächlich erklären will. Methodologisch strebte Weber nach einer Auflösung des Dualismus von Natur- und Geisteswissenschaften, indem er der Soziologie ein Tätigkeitsfeld zuwies, das den Naturwissenschaften unzugänglich ist: eine über die Beobachtung bestimmter Phänomene hinausgehende Deutung des subjektiv gemeinten Sinns.
 
Begrifflich-theoretische Klarheit strebte Weber mit seiner Kategorienlehre an, die vom »bloßen Verhalten« bis zu komplexen Formen der Vergesellschaftung reicht, durch eine idealtypische Vorgehensweise gekennzeichnet ist und eine Gegenüberstellung von Theorie und Realität ermöglichen sollte. Die idealtypische Methode durchzieht das gesamte wissenschaftliche Werk Webers; die Konstruktion gedachter Zusammenhänge diente ihm als heuristisches Mittel. Im Rahmen seiner Kategorienlehre suchte Weber nach Grundmustern, Regeln und Bestimmungsgründen des Handelns, die er in zweckrational, wertrational, affektuell und traditional untergliederte. Jede beobachtbare Handlung kann mindestens einer dieser Kategorien zugeordnet und in ihrer Abweichung von einem reinen Typus (z. B. der absoluten Zweckrationalität als Grenzfall) beschrieben werden.
 
Weber war ein politisch engagierter Mensch, plädierte aber für eine Trennung von wissenschaftlichem und politischem Handeln. Sein Postulat der Werturteilsfreiheit (Werturteilsstreit) wissenschaftlichen Tuns richtete sich gegen die von ihm kritisierte »Professorenprophetie« und repräsentiert seine Position in der Auseinandersetzung mit philosophischen und theoretischen Strömungen, die im Verein für Socialpolitik und der von Weber mitbegründeten Deutschen Gesellschaft für Soziologie aufeinander trafen.
 
Zu den bedeutendsten Arbeiten seiner politischen Soziologie gehört die Herrschaftslehre, die v. a. von zwei Aspekten, einer idealtypischen Unterscheidung legitimer Herrschaftsformen (charismatisch, traditional, rational) und der Betonung einer zunehmenden Durchdringung aller Lebensbereiche durch einen Prozess formaler Rationalisierung (okzidentaler Rationalismus), handelt. Die rationale Herrschaft, deren Legitimitätsanspruch auf dem Glauben an die Legalität gesetzter Ordnungen beruht, wird von Weber aufgrund ihres Auftretens im alltäglichen Verwaltungshandeln auch als bürokratische Herrschaft bezeichnet. Eine hoch entwickelte Bürokratie ist nach Weber ebenso Voraussetzung des modernen Kapitalismus wie die psychische Anpassung des Arbeiters an eine rationale Arbeitsorganisation und Betriebsdisziplin. Eine nicht geringere Bedeutung hat in Webers Theorie die Frage nach dem Zusammenhang von religiösen Glaubensinhalten und wirtschaftlicher Gesinnung. Weber kritisierte und ergänzte die materialistische Geschichtsauffassung durch eine religionssoziologisch begründete Theorie der Entstehung des modernen Kapitalismus, die als Theorie der protestantischen Ethik eine weite Verbreitung fand. Durch seine begrifflich-theoretischen und historisch-soziologischen Arbeiten hat Weber wesentlich zur Ausbildung der Soziologie als eigenständige Wissenschaft beigetragen und ist einer ihrer bedeutendsten Vertreter geworden.
 
 
Weitere Werke: Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, 3 Bände (1920-21); Gesammelte politische Schriften (1921); Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre (1922); Soziologische Grundbegriffe (1922); Wirtschaft und Gesellschaft (1922); Gesammelte Aufsätze zur Sozial- und Wirtschaftsgeschichte (1924); Gesammelte Aufsätze zur Soziologie und Sozialpolitik (1924).
 
Ausgabe: Gesamtausgabe, herausgegeben von H. Baier u. a., auf zahlreiche Bände berechnet (1984 folgende).
 
 
W. J. Mommsen: M. W. u. die dt. Politik 1890-1920 (21974);
 D. R. Rubenstein: M. W. A catalogue raisonné (Chicago, Ill., 1980);
 
M. W. zum Gedächtnis. Materialien u. Dokumente, hg. v. R. König u. a. (21985);
 W. Hennis: M. W.s Fragestellung (1987);
 W. Hennis: M. W.s Wiss. vom Menschen. Neue Studien zur Biogr. des Werks (1996);
 
M. W. heute. Erträge u. Probleme der Forschung, hg. v. J. Weiss (1989);
 Marianne Weber: M. W. Ein Lebensbild (Neuausg. 1989);
 Duk-Yung Kim: Der Weg zum sozialen Handeln. Eine Studie zur Entwicklungsgesch. der Soziologie bei M. W. (1994);
 D. Käsler: M. W. Eine Einf. in Leben, Werk u. Wirkung (1995);
 H. N. Fügen: M. W. (19.-20. Tsd. 1997).
 
 14) Max, amerikanischer Maler, Grafiker und Bildhauer polnischer Herkunft, * Białystok 18. 4. 1881, ✝ New York 4. 10. 1961; lebte ab 1891 in den USA. Während eines Parisaufenthaltes (1905-08) wurde er von P. Cézanne und H. Matisse beeinflusst. Nach seiner Rückkehr erregte Weber mit am Expressionismus, dann am Kubismus orientierten Bildern großes Aufsehen. Weber schuf eine der ersten abstrakten Skulpturen in den USA (»Spiral rhythm«, 1915; Washington, D. C., Hirshhorn Museum and Sculpture Garden).
 
 15) Vincent, Maler und Grafiker, * Monschau 16. 11. 1902, ✝ Frankfurt am Main 6. 3. 1990; ausgebildet am Bauhaus, Mitglied der Novembergruppe in Berlin, Assistent von A. Hoelzel in Stuttgart, lehrte in Stettin, Rom und Wiesbaden. Seine rhythmischen Kompositionen sind meist in leuchtenden Farben gehalten.
 
 16) Werner, schweizerischer Schriftsteller und Literaturwissenschaftler, * Huttwil (Kanton Bern) 13. 11. 1919; 1951-73 Leiter der Feuilletonredaktion der »Neuen Zürcher Zeitung«, ab 1973 Professor in Zürich; Essayist und Kritiker, auch Lyriker (»Unter Dach und Himmel«, 1942; »Im Hof des Herbstes«, 1944) sowie Herausgeber. Wichtiger Förderer literarischer Talente.
 
Weitere Werke: Freundschaften Gottfried Kellers (1952); Zeit ohne Zeit (1959); Tagebuch eines Lesers (1965); Forderungen (1970).
 
Herausgeber: Belege. Gedichte aus der deutschsprachigen Schweiz seit 1900 (1978); Helvetische Steckbriefe. 47 Schriftsteller aus der deutschen Schweiz seit 1800 (1981).
 
 17) Wilhelm Eduard, Physiker, * Wittenberg 24. 10. 1804, ✝ Göttingen 23. 6. 1891, Bruder von 6); 1831-37 Professor in Göttingen, 1837 als einer der Göttinger Sieben des Amtes enthoben, ab 1844 als akademischer Lehrer in Leipzig und ab 1849 wieder als Professor in Göttingen tätig. Weber leistete bedeutende Arbeiten zur Wellenlehre und zum Elektromagnetismus. Mit seinem Bruder Ernst Heinrich veröffentlichte er 1825 die Arbeit »Wellenlehre auf Experimente gegründet«, mit C. F. Gauß verfeinerte er elektromagnetische Messmethoden und Instrumente für Untersuchungen zum Erdmagnetismus und an der Göttinger Sternwarte, deren Leitung er 1855-68 als Nachfolger von Gauß innehatte. U. anderen konstruierten beide 1833 den ersten elektromagnetischen Telegrafen zur Koordinierung der Messungen in der Sternwarte und im physikalischen Labor. Weber schuf in der Folgezeit ein elektrostatisches und elektromagnetisches Maßsystem, formulierte 1846 sein auf Fernwirkungsvorstellungen beruhendes Grundgesetz der elektrischen Wirkung, fand bei der Verifikation dieses Gesetzes Ansatzpunkte für ein Elektronenmodell der elektrischen Leitungsmechanismen und bestimmte 1856 mit R. Kohlrausch aus elektrischen Messungen die Lichtgeschwindigkeit. - 1935 wurde für die Einheit des magnetischen Flusses die Bezeichnung Weber (Wb) festgelegt.
 
 
Schriften: Resultate und Beobachtungen des magnetischen Vereins, 6 Bände (1837-43, mit C. F. Gauß); Fünf Abhandlungen über absolute elektrische Strom- und Widerstandsmessungen (herausgegeben 1904, mit R. Kohlrausch).
 
 
E. Hoppe: Gesch. der Elektrizität (1884, Nachdr. 1969);
 H. Weber: W. W. (Breslau 1893);
 P. Lenard: Große Naturforscher (61943);
 K. H. Wiederkehr: W. E. W. (1967).

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We|ber, der; -s, - [mhd. webære, ahd. weberi]: 1. Handweber. 2. (Textilind. veraltet) Textilmaschinenführer.

Universal-Lexikon. 2012.

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